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Achtsamkeit: Schlecht gelaunt?

smilies

„Hier finden sie eine Übung zum Artikel „Werden wie Kinder…“. Es lohnt sich,
zuerst den Artikel zu lesen, bevor sie sich der Übung zuwenden.

Idee

Die Übung

Der Ausgangspunkt: sie sind niedergeschlagen oder frustriert (sie können diese Übung auch mit jedem anderen Gefühl machen) – oder auch beides zusammen. Das drückt sich nicht nur in Gefühlen aus. Denn ihre Körperhaltung folgt der herrschenden Stimmung und zeigt, was gerade in ihnen vorgeht. Vielleicht lassen sie den Kopf etwas „hängen“, vielleicht ist die Brustwirbelsäule (und damit ihr Oberkörper) etwas gekrümmt. Sehr wahrscheinlich spielen auch ihre Gesichtszüge in einer bestimmten Weise mit und drücken aus, was sie fühlen; hängende Mundwinkel, müde Augenpartien etc.

Erster Schritt

Nehmen sie nun so gut es geht wahr, auf welche Weise ihr eigener Körper ausdrückt, dass sie gerade niedergeschlagen oder frustriert oder traurig sind (s.o.). Vielleicht befragen sie auch jemanden dazu, der sie gut kennt. Wenn sie diese Körperhaltung identifiziert haben, verkörpern sie diese aktiv – und können dabei gerne auch etwas übertreiben. Das war der erste Schritt.

Nächster Schritt

Nun finden sie heraus, wie sich der gegenteilige Zustand in ihrem Körper ausdrückt. Wie ist es, wenn sie zufrieden und fröhlich sind? Wie ist ihre Haltung dann? Wie halten sie den Kopf, was macht der Oberkörper, was zeigt ihre Mimik, und wohin geht der Blick? Günstig für diese „Forschungsarbeit“ ist es, wenn sie dafür eine markante Situation erinnern, in der sie sich genau so gefühlt haben. Üben sie mehrmals nacheinander diese für sie persönlich typisch „positive“ Haltung ein. Indem sie zunächst die „niedergeschlagene“ Haltung einnehmen und aus dieser heraus direkt in den erwünschten angenehmen Haltungsmodus wechseln. Durch diese emotionale Gymnastik schaffen sie eine Verbindung zwischen dem als positiv empfundenen Zustand und dem als kritisch empfundenen Zustand, so dass es im Ernstfall (=niedergeschlagen) leichter fällt, einen Weg hin zum positiven Zustand zu finden. [Es ist nicht ganz klar, was durch diese verbindende Vorübung im Gehirn ausgelöst wird. Eine Vermutung geht dahin, dass elektro-chemische Verbindungen geknüpft werden – zwischen dem Zustand des Niedergeschlagenseins und der positiv konnotierten Stimmung. Das ist aber nur ein Erklärungsversuch. Entscheidend ist, dass es in der Praxis wirkt.] Am einfachsten kommen sie in die angenehme Haltung, wenn sie dabei an eine wünschenswerte Situation denken. Üben sie diesen Übergang 20-30 mal, an 3-4 Tagen nacheinander, also insgesamt ca. 60-80 mal. Das hört sich nach viel an, aber jede einzelne Übergangsübung benütigt nur 5-10 Sekunden an Zeit.

Praxis

Haben sie das geschafft, dann steht einem bewussten Einsatz dieser Fertigkeit nichts im Wege. Fühlen sie sich niedergeschlagen und bedrückt, dann nehmen sie ganz bewusst die positive Haltung ein. Eventuell können sie sogar beobachten, dass ihr Körper ganz von selbst den oben geübten Weg einschlägt. Achten sie darauf, dass sie für 5-10 Minuten diese Haltung einnehmen und sich wenn nötig immer wieder daran erinnern, dann können sie in der Regel schon einen positiven Effekt spüren.

Zwei notwendige Hinweise

Erstens, diese Übung ist nicht gemeint als eine Anleitung zu Oberflächlichkeit. Ziel der Übung ist es nicht, aufkommende unliebsame Gefühle zu manipulieren und auf diese Weise geringzuschätzen. Gefühle können uns wichtige Hinweise geben auf etwas, um das wir uns dringend kümmern sollten.

Also müssen sie selbst entscheiden, wann es angebracht ist, sich auf diese Weise neu einzustimmen. Vielleicht, wenn sie in einer trübsinnigen Endlosschleife festsitzten. Vielleicht wenn sie wissen, dass sie im gegenwärtigen niedergeschlagenen Zustand hilfos sind und nichts verändern können. Dass es ihnen also erstmal etwas besser gehen muss, bevor sie sich an die Ursachenforschung machen können. Vielleicht weil sie im Moment sonst nichts an ihrer Lage ändern können…

Zweitens: Diese Übung wirkt nicht als ein `instant´ Radiergummi, der im Nu unerwünschte Gefühle löscht. Mit der Zeit werden sie zwar eine deutliche Wirkung spüren. Doch diese Wirkung hängt davon ab, wie geübt sie darin sind und wie stark sie emotional mit dem unerwünschten Zustand verbunden sind. Sollte die Übung also nicht die erwünschte Veränderung bringen, dann hat niemand daran Schuld – am wenigsten sie selbst.

In diesem Fall verschafft ihnen vielleicht eine andere Methode Zugang zu ihren Emotionen. Bei hartnäckig wiederkehrenden unangenehmen Gefühlen ist es ohnehin angebracht, sich intensiver damit zu beschäftigen – und die Arbeit an sich selbst aufzunehmen. Wenn nötig, mit professioneller Hilfe.

Viel Erfolg! :)

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