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4. Woche Onlinekurs mbsr: Stress – und wie er auf uns wirkt

4. Woche Onlinekurs mbsr

Dies ist das Kursmaterial für die 4. Woche Onlinekurs mbsr. In dieser Woche beschäftigen wir uns intensiv mit dem Stressgeschehen selbst – und wie Stress auf Geist und Körper wirkt. Lesen Sie zunächst sorgfältig den Text und wenden Sie sich dann den Übungen am Ende zu.

I. Stress – was ist das eigentlich?

„Stress“ ist ein populäres Wort. Überall, ob im Büro oder beim Smalltalk im Supermarkt, können wir hören, dass Menschen sich gestresst fühlen: „Mach mir keinen Stress“, War das wieder eine stressige Woche“, „Der Job stresst mich so…“. Fragt man nach der ursprünglichen Bedeutung des Wortes, also danach, wo es sich herleitet, gelangt man in den technischen Bereich, genauer gesagt zur Materialkunde: Dort spricht man von „Stress“, wenn Zug oder Druck auf ein Material, zum Beispiel auf eine Schraube oder einen Brückenträger ausgeübt werden. Damit scheint klar, warum dieser Begriff auch im psychologischen Bereich Karriere gemacht hat: Gestresste Menschen fühlen sich ebenfalls stark unter Druck und haben das Gefühl, dass zu viele Anforderungen an ihnen zerren.

Stress macht wichtig

Stress gilt in unserer Gesellschaft als ein Zeichen von Überforderung. Aber wer in der Geschäftswelt davon spricht, dass er viel Stress hat, stellt sich damit als wichtig und gefragt dar. Umgekehrt macht sich derjenige verdächtig, der über längere Zeit eine ruhige Kugel schiebt. Frei von Belastung zu sein, wird allenfalls als Mittel zum Zweck akzeptiert – als ein kurzes Innehalten, um die Batterien aufzuladen. Für die nächste produktive Herausforderung.

II. Schuld sind die Anderen – nämlich unsere Vorfahren 🙂

Auch wenn nicht jeder gestresst ist, der davon redet: Sehr viele Menschen leiden heute tatsächlich unter starkem Stress. Aber was genau geschieht in einem Menschen, wenn er sich gestresst fühlt? Welche körperlichen und psychischen Mechanismen laufen dabei ab? Diese Frage versucht die Stressforschung zu beantworten. Eine der plausibelsten Erklärungen für unser Leiden am Stress bezieht sich auf unsere urzeitlichen Ahnen. Denn wir sind biologisch noch genauso ausgestattet, wie diese so genannten Steinzeitmenschen.

Zu dieser Zeit musste der Mensch physisch imstande sein, körperliche Bedrohungen durch ein wildes Tier oder unfreundliche Artgenossen abzuwenden. Das gelang ihm durch Flucht, Angriff oder Totstellen. Für uns sind vor allem die ersten beiden Strategien interessant. Denn sowohl für die Flucht, als auch für den Angriff benötigt der Mensch sehr schnell seine maximale physische Leistungsbereitschaft. Diese stellt der Körper dadurch her, dass er Stresshormone ausschüttet. Begegnet uns beispielsweise eine Herausforderung in Form eines unangenehmen Gesprächs oder in Gestalt eines Autofahrers, der uns die Vorfahrt nimmt, dann spült der Organismus in Bruchteilen einer Sekunde Mengen von Botenstoffen (Hormone) in den Blutkreislauf. Die Folge: Wir sind augenblicklich hellwach, reagieren sehr schnell, und die Muskeln haben plötzlich viel Energie zur Verfügung. Das kann wichtig, ja lebensrettend sein, wenn wir tatsächlich körperlich bedroht werden und uns verteidigen müssen, wie etwa bei der urzeitlichen Jagd auf gefährliche Tiere oder bei der Flucht vor Feinden.

Die Steinzeit lebt…

Doch ein paar tausend Jahre später hat sich das Bild komplett gewandelt. Wer heute unter Stress seinen maximal aktivierten Körper nutzt und etwa den grob rücksichtslosen Autofahrer mit ein paar Faustschlägen zur Rechenschaft zieht, hat anschließend vermutlich ein Problem mit der Staatsanwaltschaft. Also bleibt der gestresste Verkehrsteilnehmer ruhig, schüttelt den Übeltäter allenfalls in Gedanken und versucht, das Problem auf zivilisierte Art zu lösen.

Auf diese Weise wird der Gestresste zwar strafrechtlich nicht auffällig, hat aber ein ganz anderes Problem. Die reichlich ausgeschütteten Hormone verschwinden nämlich nicht einfach aus der Blutbahn. Im Gegenteil: Stresshormone bauen sich nur sehr langsam ab und sind selbst dann noch aktiv, wenn der gestresste Autofahrer seinen Ärger längst vergessen hat. Die Folge: Der Alarmzustand im Körper bleibt erhalten. Das heißt, der Blutdruck ist weiterhin stark erhöht, die Blutbahnen sind verengt, das Nervensystem ist übererregt, die Wahrnehmung zeigt sich deutlich eingeschränkt (Tunnelblick [1]), das Immunsystem wird (für kurze Zeit) auf Sparflamme gesetzt.

Ab wann wird Stress schädlich?

Entwickeln sich die oben beschriebenen Stressreaktionen nur gelegentlich, dann beeinträchtigt das unsere Gesundheit nicht. Werden die Stresshormone allerdings zu häufig ausgeschüttet, leidet der Körper unter dem auflaufenden Hormonüberschuss und den dadurch verursachten Körperreaktionen. Laut entsprechenden Untersuchungen leiden dauergestresste Personen unter anderem unter Nervosität, Unzufriedenheit, Anspannung, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Angstgefühlen, Tunnelblick und traurigen (bis depressiven) Stimmungslagen. Zudem kann der Körper selbst, also unsere Organe, unter Dauerstress geschädigt werden. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes bis hin zum Infarkt sind bekannte Beispiele dafür.

Das Maß entscheidet!

Die folgende Grafik zeigt, dass das „System“ Mensch Stressbelastungen abfangen und kompensieren kann, wenn diese nicht zu dicht aufeinander folgen (linke, grüne Kurve). Im anderen Fall folgen die Stressbelastungen zu schnell aufeinander und das System gerät unter Dauerstress, da der nächste Stressreiz schon beginnt, bevor der Organismus sich noch vom letzten Stressreiz erholen konnte (siehe rote Kurve und Pfeile).

stresskurve

[1] Die verengte Wahrnehmung trägt zusätzlich zum Stressgeschehen bei. Wenn der Betroffene angehalten ist, eine Lösung für die bestehende Herausforderung zu finden, aufgrund seines Tunnelblicks aber kaum dazu fähig ist.

Aufgaben für 4. Woche Onlinekurs mbsr

A] Bodyscan: Üben Sie an 6 Tagen der Woche den Bodyscan oder (alternativ) Yoga sowie 10 Minuten Sitzmeditation.

Der Bodyscan

Atemmeditation

B] Selbstreflexion: Achten Sie täglich darauf und gehen Sie am Abend nochmals durch: Welche automatisch ablaufenden Stressreaktionen finden Sie in Ihrem Alltag vor? Aber: Versuchen Sie nicht, etwas daran zu verändern.
Vielleicht können Sie gedanklich festhalten, wann Ihnen bewusst geworden ist, dass Sie genau jetzt in Stress geraten. Und wo im Körper sie den Stress zuerst bemerkten.

Bitte…
Das Kursmaterial und die Audio-Dateien wurden sorgfältig und mit großem Aufwand erstellt und stehen unter copyright. Sie sind frei nutzbar für den privaten Gebrauch. Sollten sie diese zu kommerziellen Zwecken nutzen wollen, kontaktieren sie mich bitte.

© Thomas Hübner, s. Impressum

Ergänzende Artikel

 

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