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Glück im Kopf (4) – Meditation hält das Gedankenkarussell an!

 Meditation hält das Gedankenkarussell an!

Abb. „Road Map of The Mind“ © James Thew @ fotolia.com


Thema dieser Artikelserie ist das „Glück im Kopf“. Unter dieser Überschrift unternehmen wir Forschungsreisen in die Galaxie des Gehirns. Uns interessiert die Frage, wie wir das verwirklichen können, wozu der Philosoph Peter Sloterdijk auffordert: In der Galaxie „Gehirn“ sein Glück zu finden.  Lesen Sie hier den vollständigen Einführungsartikel.

Im vorangegangenen Artikel lässt sich nachlesen, wie niedrig die Hürde gebaut ist: Meditation ist kinderleicht. Unsere Jüngsten tun es, und wer genau hinsieht, weiß, wie gut es ihnen dabei geht.

Der perfekte Augenblick ist sehr zerbrechlich

Ganz da sein, im Augenblick aufgehen und erfahren, dass das Jetzt genügt. Warum fällt es uns Erwachsenen so schwer, solche Momente zu erleben? Darauf gibt es unterschiedliche Antworten. Zum Beispiel die, dass diese Augenblicke fragil sind wie Seifenblasen; diese schmalen Zwischenräume, in denen wir, meist ohne es beabsichtigt zu haben, ganz da sind. Es sind unsere Gedanken, die dort wie Nadelspitzen hineinstechen und einen guten Moment zum Platzen bringen: Wir laufen durch den Wald, sind von der musikalischen Abendvorstellung einer Amsel berührt und im nächsten Moment denkt es in uns: „Hey, wie blöd, warum bin ich eigentlich nicht öfter im Wald, dann könnte ich öfter solche Momente erleben …“ Und schon war es das mit dem besonderen Erlebnis, das sich selbst genügt. Aus und vorbei.

Mit Meditation das Gedankenkarussell anhalten

Aber ist wirklich der einzelne Gedanke das Problem? Hält er uns von einem zufriedeneren Leben ab? Wohl nicht. Aber das zwanghafte Denken schon, das ununterbrochene Dauerfeuer, mit dem der zerebrale Zirkus unterm Schädeldach uns fordert. Es scheint so, dass wir diesem fließbandmäßigen Treiben kaum etwas entgegenzusetzen haben: Unablässig bewerten und urteilen wir nach gut und schlecht, angenehm und unangenehm, förderlich und hinderlich; das meiste davon ist auch noch redundant oder – weniger abstrakt ausgedrückt – altes Zeug. So oder so ähnlich haben wir schon 1000 Mal gedacht und befunden.

Wenn man nur leben könnte, ohne abzuschätzen, ohne Abneigung und Zuneigung zu empfinden … (Friedrich Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches, Erster Band)

Doch selbst wenn uns das bewusst ist, können wir doch unseren Gedankenstrom nicht einfach anhalten. Eine solche Erfahrung bleibt die Ausnahme in unserem Leben. Es sei denn – wir fangen an zu üben. Und diese Art der Übung nennen wir Meditation.

Jenseits einer von Gedanken dominierten Welt

Bei all dem geht es nicht darum, gedankenfrei zu leben. Zu meditieren bedeutet vielmehr, unseren Gedanken für eine Zeit den Back-Stage-Pass abzunehmen, mit dem sie sich in alles hineinwühlen, was uns jemals passiert; sie quasi in die zweite Reihe zu schicken.

Wer sich darin übt, erfährt seinen Geist als einen faszinierenden Raum, jenseits einer von Gedanken und Gegengedanken dominierten Welt. Eine ungekannte Beruhigung und Klarheit stellt sich ein, wenn die Gedanken erst einmal in den Hintergrund treten.

Die Rolle der Gedanken bei Stress und Burnout

Menschen, die stark unter Stress leiden oder von Burnout bedroht sind, machen diese positive Erfahrung unmittelbar, wenn sie beginnen zu meditieren. In Zeiten chronischer Überforderung dreht der Kreisel im Kopf oft sehr schnell, ohne aber einen hilfreichen Output zu bringen. Umso befreiender nehmen die Betroffenen es wahr, wenn es ihnen gelingt, einen neuen Fokus einzuführen; einen Fokus, der es möglich macht, aus dem Gedankenkarussell auszusteigen, und sei es nur für ein paar Minuten.

Der Bodyscan

Also: Wenn wir meditieren, konzentrieren wir uns auf etwas und stellen es in den Mittelpunkt unserer Wahrnehmung. Gedanken werden dazwischentreten, mit absoluter Sicherheit. Dennoch unseren Fokus aufrecht zu erhalten bzw. immer wieder zu ihm zurückzukehren von den unterbrechenden Gedankenausflügen, das ist unser Ziel. Günstigerweise nützen wir für dieses Unternehmen etwas, das wir sowieso bei uns haben und das uns unmittelbar zugänglich ist, zum Beispiel unseren Körper. Dazu leitet die Methode des Bodyscan an.

Hier wird diese Methode im Rahmen meines Online-Kurses Achtsamkeit (mbsr) erklärt (inkl. Audio-Anleitungen).

Wichtig: Wenn wir den Bodyscan oder eine andere Meditationsübung durchführen, gehen wir in jedem Fall freundlich mit uns um. In der Praxis heißt das: Verrutscht uns durch gedankliche Wanderung die Aufmerksamkeit, ärgern wir uns nicht darüber, sondern wir nehmen das einfach wahr – und kehren wieder zurück zum Fokus. Diese Art von Freundlichkeit gegen uns selbst ist keine Fußnote, sie ist eine unhintergehbare Bedingung für das Gelingen einer Meditation.

Abb.: Road Map of The Mind, James Thew @ fotolia.de

meditation

Lesen Sie mehr in Teil 5 der Artikelserie

 

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