Achtsamkeit und Schmerz: Lass es raus!

Urlaub Portugal und andere 124Spüren wir Trauer oder Traurigkeit, dann ist es verständlich, wenn wir ihm ausweichen möchten; dass wir uns ablenken und das Unangenehme mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln vor uns halten.

Zu trauern bedeutet, die Lücke zwischen dem Ist des Lebens und dem, was eigentlich sein sollte, schmerzhaft zu erfahren. Gelegenheiten, der Traurigkeit zu begegnen, gibt es so viele, wie Lebenssituationen. Es schmerzt die Abwesenheit eines wertvollen Menschen, wir trauern über eine verschwendete Gelegenheit oder betrauern unser vermeintlich unerfülltes Leben. In jedem Fall meldet sich ein Schmerz, der durch nichts zu besänftigen scheint. Der sich selbst genügt und für schnelle Lösungen kein Ohr hat.

Den Schmerz abzuweisen ist eine legitime Variante. Wer über etwas mehr Kraft verfügt, kann eine andere Möglichkeit wählen. Denn jeder Schmerz reagiert auf einen guten Zuhörer. Jemanden, der uns zuhörend auffängt, wenn die Traurigkeit wie eine Welle über uns zusammenschlägt.

Aber nicht immer möchte man sich einer anderen Person anvertrauen mit seiner Traurigkeit. Vielleicht handelt es sich auch um einen chronischen Schmerz; eine tief empfundene Traurigkeit, die unser Leben zu häufig bedeckt wie eine graue Wolke und die – wir ahnen es – auch mit einem Gespräch mit einem anderen Menschen nicht zu besänftigen ist. In diesem Fall steht der Weg der Präsenz offen..

Denn wir können uns selbst der beste Zuhörer sein. Dazu müssen keine Worte fallen. Es genügt, wenn wir die Trauer oder Traurigkeit ganz bewusst und präsent zulassen. Wichtig: wir überlassen uns dabei nicht dem Sog in die Tiefe, der sich möglicherweise entfaltet. Das ermöglicht uns der innere Beobachter, der teilnehmend, aber ohne zu werten, wohlwollend anwesend ist. So lange dieser Beobacher ein Auge auf uns trauernde, weinende, schwer zu tröstende Menschen hat, findet Entlastung statt. Wo vorher Enge und Schwere alleine das Feld beherrschten, kann sich mit der Zeit des präsenten Trauerns ein Raum öffnen. Ein Raum, der als Befreiung empfunden wird.

Sich dem Schmerz zu öffnen und gleichzeitig der zu sein, der beobachtet, was dann geschieht – das ist der Weg von Präsenz und Achtsamkeit. Was dabei vor allem zählt und wirkt, ist, mit großer Aufmerksamkeit bei sich zu sein, das Schwere zu empfinden – und dabei immer wieder die Rolle des freundlichen Beobachters einzunehmen. Dieser Freund ermöglicht zugleich den Raum und das Gute, das dann darin geschehen kann.

PS: Beeinträchtigt Schmerz ihr Leben massiv und über längere Zeit, sollten sie damit nicht alleine bleiben, sondern professionelle Hilfe aufsuchen.

 

 

 

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3 Responses to Achtsamkeit und Schmerz: Lass es raus!

  1. Patricia 30. März 2016 at 09:44 #

    Mir gefällt diese Seite sehr gut. Berührend und hilfreich. Danke!

    • Thomas Hübner 30. März 2016 at 10:29 #

      Danke! 🙂

  2. sonja lenk 26. November 2015 at 15:04 #

    danke dass du dir die zeit nimmst solch schöne worte zu schreiben…

    ps tolles bild!

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